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Was macht Stille mit uns? Warum wir uns manchmal selbst ausweichen

21. Aug.
6 Min. Lesezeit

Wann warst du das letzte Mal wirklich still?


Nicht beim Scrollen auf dem Handy. Nicht mit Musik im Hintergrund. Nicht beim Spazieren mit einem Podcast im Ohr. Sondern wirklich still. Nur du. Ohne Ablenkung. Ohne Aufgabe. Ohne jemanden, mit dem du sprechen kannst.


Für manche Menschen ist diese Vorstellung wohltuend. Für andere beinahe unangenehm.

Denn wenn es im Aussen still wird, kann es im Inneren plötzlich ziemlich laut werden.


WIR LEBEN IN EINER WELT VOLLER ABLENKUNG


Unser Alltag bietet uns unzählige Möglichkeiten, keinen Moment wirklich alleine mit uns verbringen zu müssen.

Wir arbeiten, organisieren, schreiben Nachrichten, hören Musik, schauen Serien, scrollen durch soziale Medien, treffen Menschen oder beschäftigen uns mit den nächsten Aufgaben. Selbst in den wenigen Zwischenräumen greifen wir häufig automatisch zum Smartphone. An der Bushaltestelle. Im Zug. Im Wartezimmer. Beim Essen. Manchmal sogar auf der Toilette. Kaum entsteht ein leerer Moment, füllen wir ihn.


Doch warum eigentlich? Vielleicht nicht immer, weil uns langweilig ist.

Vielleicht ist Beschäftigung manchmal auch eine Möglichkeit, uns selbst nicht begegnen zu müssen.


Wenn es im Aussen still wird, beginnen wir zu hören, was in uns schon lange spricht.
Wenn es im Aussen still wird, beginnen wir zu hören, was in uns schon lange spricht.

WENN IM AUSSEN RUHE EINKEHRT


Stille nimmt uns zunächst einmal etwas weg: Ablenkung. Und plötzlich ist da Raum. Für Gedanken, die wir tagsüber überhören. Für Gefühle, die keinen Platz hatten. Für eine Müdigkeit, die wir beim Funktionieren kaum bemerkt haben.

Für Sehnsüchte. Für Zweifel. Vielleicht auch für Trauer, Wut oder eine diffuse Unruhe, die wir gar nicht richtig einordnen können. Stille erschafft diese Gefühle nicht. Sie macht manchmal nur hörbar, was längst da ist. Und genau deshalb kann sie gleichzeitig wunderschön und herausfordernd sein.


Was einmal hilfreich war, kann uns lange begleiten. Und irgendwann kennen wir die Bedürfnisse der Menschen um uns herum besser als unsere eigenen. Dann lohnt sich der Fokus nach Innen und die Frage: Was brauche eigentlich ich?


ALLEIN SEIN UND SICH EINSAM FÜHLEN SIND NICHT DASSELBE


Wir sprechen oft vom Alleinsein, als wäre es automatisch etwas Negatives. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Einsamkeit beschreibt das schmerzhafte Gefühl fehlender Verbindung. Und dieses Gefühl können wir sogar mitten unter Menschen erleben. Alleinsein dagegen beschreibt zunächst nur einen Zustand: Gerade ist niemand anderes da. Was dieser Zustand mit uns macht, kann sehr unterschiedlich sein. Für manche bedeutet er Freiheit. Für andere Unsicherheit. Und vielleicht hängt das auch davon ab, welche Beziehung wir zu uns selbst entwickelt haben. Denn wenn ich alleine bin, fällt für einen Moment weg, wer ich für andere bin. Ich bin nicht die Partnerin. Nicht die Freundin. Nicht die Kollegin. Nicht diejenige, die organisiert, hilft, vermittelt oder funktioniert. Wer bin ich, wenn gerade niemand etwas von mir braucht? Das kann eine erstaunlich grosse Frage sein.


WARUM SICH STILLE MANCHMAL UNSICHER ANFÜHLT


Auch unser Nervensystem spielt dabei eine Rolle. Wer lange unter Stress stand oder daran gewöhnt ist, ständig etwas zu tun, kann Ruhe zunächst nicht automatisch als Entspannung erleben. Vielleicht kennst du das: Endlich hast du einen freien Tag und anstatt ihn zu geniessen, wirst du unruhig. Du räumst auf. Erledigst noch schnell etwas. Schaust aufs Handy. Überlegst, was du noch tun könntest. Nichtstun fühlt sich irgendwie falsch an. Unser System orientiert sich stark an dem, was ihm vertraut ist. Wenn Aktivität, Verantwortung oder ständige Wachsamkeit lange zum Alltag gehören, kann genau dieser Zustand vertrauter sein als Ruhe. Dann braucht es manchmal Zeit, bis wir erfahren: Ich muss gerade nichts tun und trotzdem ist alles in Ordnung.


Stille erschafft nicht, was wir fühlen. Sie gibt dem Raum, was längst in uns da ist.
Stille erschafft nicht, was wir fühlen. Sie gibt dem Raum, was längst in uns da ist.

VIELLEICHT HABEN WIR AUCH VERLERNT, UNS SELBST AUSZUHALTEN.


Dieser Gedanke darf unbequem sein. Wie oft suchen wir Ablenkung, weil wir tatsächlich Unterhaltung möchten und wie oft, weil wir einen bestimmten Gedanken gerade nicht denken wollen? Wie oft treffen wir Menschen aus echter Verbundenheit und wie oft, weil ein Abend alleine unangenehm wäre? Wie oft greifen wir zum Smartphone, sobald für einige Sekunden nichts passiert? Es geht nicht darum, all das zu verurteilen. Wir brauchen andere Menschen. Verbindung und Zugehörigkeit sind grundlegende menschliche Bedürfnisse. Aber vielleicht lohnt sich die Frage: Kann ich mit anderen verbunden sein, ohne mich selbst zu verlieren und kann ich alleine sein, ohne mich verlassen zu fühlen?


IN DER STILLE BEGEGNEN WIR NICHT NUR DEM SCHWIERIGEN


Wenn wir über Stille sprechen, klingt es schnell so, als würden dort nur verdrängte Gefühle auf uns warten. Dabei kann etwas ganz anderes passieren. Vielleicht hören wir irgendwann wieder unsere eigene Stimme. Nicht die Erwartungen anderer. Nicht das, was wir tun sollten. Nicht das, was vernünftig wäre. Sondern dieses leise innere Wissen darüber, was uns eigentlich guttut. Manchmal entstehen gerade in der Stille Gedanken, die im Lärm keinen Platz haben. Was möchte ich eigentlich? Was fehlt mir? Was fühlt sich nicht mehr stimmig an? Wonach sehne ich mich? Vielleicht ist genau das ein Grund, weshalb Stille manchmal unbequem ist. Denn wenn wir uns selbst wirklich zuhören, können wir möglicherweise nicht mehr so leicht überhören, was wir längst wissen.


BREATHWORK - WENN STILLE NICHT BEDEUTET, NICHTS ZU TUN


Breathwork kann einen besonderen Zugang zu diesem inneren Raum schaffen. Der Atem gibt uns zunächst etwas, woran wir uns orientieren können. Wir müssen nicht einfach daliegen und versuchen, an nichts zu denken. Wir dürfen wahrnehmen. Den Atem. Den Körper. Spannung. Widerstand. Emotionen. Ruhe. Dabei muss nicht jede Stille friedlich sein und nicht jede Breathwork-Erfahrung tief oder emotional. Manchmal besteht die wertvollste Erfahrung vielleicht einfach darin, für eine Weile bei sich zu bleiben, ohne sofort ausweichen zu müssen. Nicht alles, was auftaucht, muss analysiert werden. Nicht jedes Gefühl muss verändert werden. Manches darf zunächst einfach wahrgenommen werden.


Verbindung zu uns selbst beginnt dort, wo wir nicht mehr ausweichen, sondern einen Moment bei uns bleiben.
Verbindung zu uns selbst beginnt dort, wo wir nicht mehr ausweichen, sondern einen Moment bei uns bleiben.

WAS DAS ALLEINSEIN MIT UNSERER GESCHICHTE ZU TUN HABEN KANN


Auch aus systemischer Sicht kann die Beziehung zum Alleinsein spannend sein. Vielleicht haben wir früh gelernt, dass unser Wert damit verbunden ist, gebraucht zu werden. Vielleicht kennen wir uns vor allem in der Rolle derjenigen, die sich kümmert. Vielleicht bedeutet Zugehörigkeit für uns, verfügbar zu sein. Oder wir haben Erfahrungen gemacht, durch die Distanz und Alleinsein emotional mit Ablehnung oder Verlassenwerden verbunden wurden. Dann geht es möglicherweise gar nicht darum, besser alleine sein zu lernen. Viel interessanter ist die Frage: Was bedeutet Alleinsein eigentlich für mich? Freiheit? Leere? Ruhe? Ablehnung? Sicherheit? Oder vielleicht etwas ganz anderes? Systemische Aufstellungen können dabei helfen, solche inneren Verknüpfungen und Beziehungsmuster sichtbar zu machen ohne bereits vorher wissen zu müssen, woher sie kommen.


EIN STEIN ALS BEGLEITER: AMETHYST


Zu diesem Thema passt für mich der Amethyst. In der Steinheilkunde wird er traditionell mit Ruhe, Klarheit und innerer Einkehr verbunden. Auch hier gilt: Ein Stein nimmt uns keine Gefühle ab und schafft nicht automatisch innere Ruhe.

Aber er kann zu einem Symbol werden. Vielleicht legst du einen Amethyst an einen Ort, an dem du dir bewusst einige Minuten nur für dich nimmst. Ohne Smartphone. Ohne Musik. Ohne etwas erreichen zu müssen. Und vielleicht erinnert er dich an eine einfache Frage: Was höre ich, wenn es um mich herum still wird?


Der Amethyst schenkt dir nicht die Stille, aber er kann dich daran erinnern, ihr wieder Raum zu geben.
Der Amethyst schenkt dir nicht die Stille, aber er kann dich daran erinnern, ihr wieder Raum zu geben.

VIELLEICHT MÜSSEN WIR DIE STILLE NICHT FÜLLEN


Denn alleine sein zu können bedeutet nicht, keine anderen Menschen zu brauchen. Es bedeutet vielleicht, neben der Verbindung zu anderen auch eine Verbindung zu sich selbst aufzubauen. Eine Beziehung, in der wir nicht nur bei uns bleiben können, wenn wir glücklich, ruhig und ausgeglichen sind. Sondern auch dann, wenn es in uns unruhig wird.

Wenn Fragen auftauchen. Wenn wir uns langweilen. Wenn wir uns selbst gerade nicht verstehen. Vielleicht ist Stille deshalb nicht die Abwesenheit von etwas. Vielleicht ist sie ein Raum. Und die spannendere Frage lautet nicht: Wie halte ich die Stille aus? sondern: Was könnte ich hören, wenn ich nicht sofort versuche, sie zu füllen?


EIN GEDANKE FÜR DICH


Beobachte dich einmal ganz wertfrei: Was machst du als Erstes, wenn du plötzlich nichts zu tun hast? Greifst du zum Handy? Machst du Musik an? Suchst du Gesellschaft? Findest du eine Aufgabe? Und dann frage dich: Was würde passieren, wenn ich diesmal für fünf Minuten nichts davon tue? Vielleicht entsteht Ruhe. Vielleicht Unruhe. Vielleicht Langeweile. Vielleicht ein Gedanke, den du schon lange nicht mehr gehört hast. Was auch immer auftaucht, vielleicht musst du damit zunächst gar nichts tun. Nur wahrnehmen.

Möchtest du tiefer eintauchen? In meinen Breathwork-Seminaren und systemischen Aufstellungen bei MANA SPIRIT findest du einen achtsamen Raum, um aus dem Funktionieren ins Wahrnehmen zu kommen und deinen eigenen Themen zu begegnen.. In deinem Tempo, ohne Druck und mit Raum für das, was sich zeigen möchte.


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